Design in Hong Kong – Eindrücke einer kontrastreichen Stadt

Miruna Turbatu (Invest Hong Kong) im Gespräch mit Cornelia Horsch (Internationales Design Zentrum Berlin)


Das Internationale Design Zentrum Berlin (IDZ) war im letzten halben Jahr bei zwei Gelegenheiten prominent in Hong Kong vertreten: Zum einen zur Business of Design Week im Dezember 2011 als offizieller Repräsentant der deutschen Designförderung gemeinsam mit dem Rat für Formgebung. Zum anderen im Rahmen eines hochkarätigen Besuchsprogramms auf Einladung der Wirtschaftsförderung von Hong Kong (Invest Hong Kong) , die in der Designwirtschaft ein großes Zukunftspotential für ihre Stadt sieht. In einem Nachgespräch mit Miruna Turbatu schildert Cornelia Horsch (Direktorin des IDZ) ihre Eindrücke.

Miruna Turbatu (Invest Hong Kong): Hong Kong bezeichnet sich selbst als „Asias World City“. Welches Bild hat sich Ihnen von Hong Kong vermittelt?

Cornelia Horsch (Direktorin IDZ): Hong Kong ist das westlich orientierte Tor nach China und sowohl kulturell als auch wirtschaftlich nach wie vor hoch interessant, auch gerade für Designer. Mit dem Slogan „One country – two systems“ bringt die Stadt ihr politisches Selbstverständnis auf den Punkt und wirbt für Vertrauen. Obwohl Hong Kong ja inzwischen Teil Chinas ist, hat sich seine Gesellschaft und die geltende politische Ordnung unter westlichem Einfluss entwickelt. Darauf legt Hong Kong großen Wert und tatsächlich bietet die immer noch am britischen Recht orientierte Gesetzgebung für westliche Unternehmen deutlich mehr Sicherheit, als dies z.B. in China der Fall ist. Es ist interessant, dass in logischer Konsequenz Hong Kong aktuell ein Programm aufbaut, das Hong Kong eine Vorreiterrolle für den Schutz von Nutzungsrechten und geistigem Eigentum sichern soll. Mein Eindruck ist, dass Hong Kong seine Rolle als internationale Drehscheibe im Zusammenspiel mit China ausbaut und neu definiert.

MT: Was fällt einem als erstes auf, wenn man neu nach Hong Kong kommt?

CH: Natürlich die extrem vertikale, hohe Architektur und die wahnsinnige Dichte, in der in Hong Kong das Stadtleben stattfindet. So kennt man das von Bildern und es ist immer wieder beeindruckend. Das U-Bahn-System in Hong Kong ist vorbildlich – hier könnten sich unsere Verkehrsbetriebe vom User-Interface der Fahrkartenautomaten eine dicke Scheibe abschneiden. Was ich jedoch früher nicht wusste, ist, dass Hong Kong zu 70% nicht bebaut ist und dass man dort Naturparks und Feuchtgebiete, sanfte grüne Hügel mit Trecking-Pfaden und einsame Buchten mit vorgelagerten Inseln findet. In 20 Minuten bin ich aus der City mit dem Taxi zum Strand gefahren und habe die Füße im Südchinesischen Meer gebadet, das sind unglaubliche Kontraste.

MT: Hong Kong hat sich vorgenommen, das Designzentrum Asiens zu werden. Schätzen Sie dieses Ziel als realistisch ein?

CH: Neben weiteren Wirtschaftszweigen hat Hong Kong die Creative Industries inklusive der Designwirtschaft  als zukunftsweisende Branche erkannt, und diese scheint sich auch prächtig zu entwickeln. Die Business of Design Week des Hong Kong Design Centre mit ihrem hochkarätigen Programm und den jährlich inzwischen fast hundertausend Besuchern ist die im internationalen Kontext wahrscheinlich bekannteste Verlautbarung der dortigen Designszene. Das ist aber nicht alles: Hong Kong investiert auch kräftig in die Ausbildung an Universitäten und Fachschulen. Ganz aktuell wird der „Innovation Tower“, ein Entwurf  von Zaha Hadid für die School of Design an der Hong Kong Polytechnic University in Betrieb genommen. Neben Ausbildungsflächen sind dort allein 12.000 Quadratmeter für ein Museum und eine Galerie vorgesehen – ein absoluter Superlativ aus der Perspektive der deutschen Hochschullandschaft. Ein anderes Beispiel ist das Nachwuchsprogramm, das junge Talente durch die Vergabe von hoch subventionierten Büroflächen unterstützt – was bei den Quadratmeterpreisen in Hong Kong auch bitter nötig ist. Mit dem geplanten „West Kowloon Cultural District“, der von Norman Foster  entworfen wurde, wird ein für Hong Kong unglaublich großes und zentral gelegenes Areal der Kultur und der Erholung gewidmet. Hong Kong hat sich vorgenommen, das Designzentrum Asiens zu werden, und wenn man sich ansieht, mit welcher Power hier gepusht und gefördert wird, dann ist dieses Ziel durchaus erreichbar.

MT: Wo liegt denn nach Ihrer Einschätzung der „deutsche“ Design-Vorsprung? Was können deutsche Designerinnnen und Designer, das in China erst noch gelernt werden muss? Mit welchem Angebot könnten deutsche Kreativunternehmen in Hong Kong Fuß fassen?

CH: Auf diese Fragen gibt es sicherlich keine einfache Antwort. Jedoch sehe ich zwei große Bereiche, in denen Unterschiede deutlich werden. Zum einen liegt dieser in unserer Kultur und der daraus folgenden Eigenständigkeit des Einzelnen innerhalb der Gesellschaft. Wir stehen in einer Tradition der Aufklärung, der Bürgerbeteiligung und des Freien Denkens. In der Fähigkeit zu strategischem und prozessorientiertem Denken, gepaart mit technischen Entwicklungen und gutem Design liegt aktuell das deutsche Innovationspotential.  Zum anderen gibt es einen fachlichen Vorsprung im Design, der sich jedoch rasch verringern wird. Aktuell sind deutsche Designerinnen und Designer durch ihr Markenverständnis und Ihre Erfahrungen in der professionellen Zusammenarbeit mit Unternehmen sehr gut gerüstet, um ihre Arbeit in Hong Kong und China weiter zu entwickeln. Auf die Dauer sollten wir jedoch nicht mehr nach dem „Vorsprung“ fragen, sondern eher nach den Schnittstellen suchen, an denen sinnvolle Kooperationen gedeihen können.

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Ihre  Fragen zu Hong Kong und den Möglichkeiten, dort Fuß zu fassen, beantwortet Frau Demet Özden von Invest Hong Kong: demet_oezden@hketoberlin.gov.hk. (www.investhk.gov.hk)

Für Fragen zu Themen im Designbereich steht Ihnen Cornelia Horsch oder das Team des Internationalen Design Zentrums Berlin gern zur Verfügung: idz@idz.de. (www.idz.de